4 Möglichkeiten zur Personalisierung von Benefits & Vergütung

19.09.11

Die Untersuchung ‚How Much Information‘ der Universität von San Diego aus dem Jahr 2009, legt nahe, dass wir über E-Mail, Internet, Fernsehen und andere Medien mit rund 100.500 Wörtern pro Tag konfrontiert werden. Das entspricht in etwa 23 Wörtern pro Sekunde. Es zeigt sich, dass wir kontinuierlich vielen Informationen ausgesetzt werden, die wir aufnehmen müssen.

In einem Forbes-Artikel mit dem Titel ‚Why too much data is stressing us out‘ heißt es: „Die digitale Technologie hat sich viel schneller entwickelt als die physische Entwicklung des Gehirns, mit dem wir sie entschlüsseln und nutzen. Dabei ist das Problem, dass unser Gehirn nicht darauf ausgelegt ist, mit den ständig wachsenden Datenmengen, die wir aufnehmen wollen, fertig zu werden.

Die Lösung für die vorherrschende Informationsflut sind Personalisierung und Relevanz.

In der heutigen sich schnell verändernden digitalen Welt ermöglichen personalisierte Informationen einem Individuum die Fokussierung auf diejenigen Informationen, die von ihm als relevant erachtet werden. Man kann sich folglich auf die Entschlüsselung derjenigen Informationen konzentrieren, die wesentlich sind.

Personalisierte Vergütungssysteme

In dem Artikel von Deloitte, ‚A shift toward tailor-made rewards‘, wird erläutert, dass führende Unternehmen verstanden haben, dass ein personalisiertes Vergütungssystem für die Anwerbung und Bindung von Talenten unerlässlich ist. Trotzdem haben viele dieser Unternehmen immer noch veraltete Vergütungsprogramme und werden den Anforderungen damit nicht gerecht.

Hingegen haben solche Unternehmen, die Vergütungssysteme personalisieren und Flexibilität auf individueller Ebene bieten, einen klaren Vorteil auf dem Talentmarkt. „Wir sind der Ansicht, dass ein System, das eine Auswahl an Vergütungssystemen und eine Möglichkeit zur Personalisierung bietet, die einzige Struktur ist, die die erforderliche Flexibilität besitzt, um den meist sehr unterschiedlichen Bedürfnissen und Wünschen der heutigen vielfältigen Belegschaft gerecht zu werden. Talente fordern heutzutage von ihrem Arbeitgeber nämlich ein individuelles Erlebnis, welches widerspiegelt, wie sie leben, arbeiten und kommunizieren. Hingegen stellt eine Einheitslösung, welche in der Vergangenheit üblich war, inzwischen keine Möglichkeit mehr zur Gewinnung der modernen Arbeitnehmerschaft dar“, heißt es in dem Artikel.

Personalisierung macht's

Arbeitgeber müssen ihren Mitarbeitern personalisierte und damit individuell angepasste Benefits und maßgeschneiderte Vergütungsoptionen bieten.

Als Könige der Personalisierung sind beispielsweise die Streamingdienste Netflix oder Spotify zu nennen. Netflix ermöglicht den Zugang zu einer umfangreichen Online-Videothek, während ein Nutzer von Spotify immer und überall auf zahlreiche Musiktitel zugreifen kann. Dabei hat der Nutzer nicht nur eine beispiellose Auswahl, sondern bereits nach erstmaligem Zugriff auf einen Musiktitel oder einen Film, erhält er sofort Empfehlungen, die auf dem basieren, was er sich in der Vergangenheit angesehen oder angehört hat. Dies bedeutet auch, dass jedes Mal, wenn sich der Nutzer anmeldet, das Dashboard einzigartig und personalisiert ist. Es basiert auf den generierten Empfehlungen, dem Verlauf oder den persönlichen Einstellungen. Mit anderen Worten: die komplette Nutzererfahrung ist personalisiert. Warum sollten Benefits- und Vergütungsprogramme von Unternehmen keine ähnliche Erfahrung bieten?

Indem Sie als Arbeitgeber jedem einzelnen Ihrer Mitarbeiter ermöglichen, seine individuellen Mitarbeiter-Benefits zu wählen, erhöhen Sie nicht nur die Inanspruchnahme und Zufriedenheit der Benefits, sondern zeigen auch, dass Sie als Arbeitgeber Ihren Mitarbeitern die nötige Wertschätzung entgegenbringen. Sie zeigen, dass Sie sie kennen, verstehen und für sie sorgen.

Best Practice: AstraZeneca 

Ein gutes Beispiel, das an dieser Stelle genannt werden soll, ist das Unternehmen AstraZeneca. Es ist eines der größten biopharmazeutischen Unternehmen der Welt und eines der beliebtesten Zentren für Talente. Als großes multinationales Unternehmen, das in einer wettbewerbsintensiven Branche tätig ist, hat AstraZeneca die Entscheidung getroffen, in ein Mitarbeiterportal zu investieren, um sein Benefit-Angebot zu verwalten, zu managen und zu personalisieren.

Ulf Holmgren, regionaler Verantwortlicher für Compensation & Benefits bei AstraZeneca, teilt mit: „Über das Portal können die Mitarbeiter genau das auswählen, was sie möchten. Zum Beispiel können sie mehr Urlaub kaufen, in ihre Rente investieren oder das Geld mit der nächsten Gehaltszahlung abheben.“

Es wird deutlich, dass AstraZeneca der Mitarbeitererfahrung Priorität einräumt und sich um seine Mitarbeiter kümmert. "Ich denke, wir haben es gut gemacht. Es fühlt sich so an, als ob unseren Mitarbeitern bewusst ist, dass wir das Beste für sie wollen“, fügt Holmgren hinzu.

Wie können Benefits & Vergütung nun personalisiert werden?  

Nachfolgend sollen vier Möglichkeiten erläutert werden, wie auch Sie als moderner Arbeitgeber die Personalisierung in Ihr Vergütungs- und Benefitprogramm integrieren können, damit das Programm jeden aktuellen sowie potenziellen Mitarbeiter anspricht:

  1. Flexible Benefitmodelle

    Auf dem Arbeitsmarkt arbeiten derzeit vier Generationen nebeneinander. Diese haben jeweils ihre eigenen Vorlieben und Wünsche. Dabei wird es zunehmend zur Herausforderung für viele Arbeitgeber, die individuellen Bedürfnisse jedes einzelnen Mitarbeiters zu erfüllen. Flexible Benefitmodelle ermöglichen es den Unternehmen jedoch, genau das zu tun.

    Unabhängig davon welche Art der Flexibilisierung Sie anbieten, ein flexibles Benefitmodell sorgt dafür, dass die angebotenen Benefits auch wirklich angenommen werden. Dabei ist es egal, ob die Mitarbeiter einen bevorzugten Anbieter auswählen können – zum Beispiel, wenn es um Benefits im Bereich Kinderbetreuung oder Gesundheitsvorsorge geht, zwischen ähnlichen Benefits wie beispielsweise der Altersvorsorge oder der Rente auswählen können oder ein freies Budget zur Verfügung haben.
    Ein flexibles Benefitmodell sorgt für eine Personalisierung des Benefit-Angebots sowie folglich zu einer optimalen Nutzung der getätigten Investitionen.
  2. Individuelle Auswahl eines Vergütungssystems

    Der Artikel von Deloitte gibt ein Beispiel dafür, wie ein Beratungsunternehmen in Europa neuen Mitarbeitern die Möglichkeit bietet, bei der Annahme eines Stellenangebots aus einer Reihe von Vergütungsoptionen zu wählen. Der neue Mitarbeiter kann dabei je nach Bedarf zwischen Gehalts- oder Aktienoptionen, einer zusätzlichen Urlaubswoche oder einer höheren Bezahlung wählen.
  3. Flexibles Benefitbudget

    Die Idee eines flexiblen Budgetmodells ist, dass es für jeden Einzelnen ein Budget für die Nutzung von Benefits gibt. Durch die Einführung eines solchen Modells können Mitarbeiter ihr Budget nach Belieben ausgeben.

    Der Mobilitätsanbieter Athlon bietet zum Beispiel ein solches Budgetmodell bzw. flexible Benefits im Bereich Mobilität an. So können Mitarbeiter aus einem für verschiedene Mobilitätsbenefits zur Verfügung gestellten Betrag nach ihren persönlichen Bedürfnissen und Vorlieben aus verschiedenen Leistungen auswählen und ihr Budget entsprechend verteilen. Dieser Möbilitätsbenefit bietet den Mitarbeitern ein jährliches Pendelbudget zur Deckung der Transportkosten. Markus Kullendorf, Gründer von Benify, ist der Meinung, dass dieses Budgetmodell „einen großen Nutzen hat und ihm die Flexibilität verleiht, die – wie wir gelernt haben – für den Großteil der Arbeitnehmer eine wichtige Rolle spielt.

    Waiting_metro_train

    So kann sich ein Mitarbeiter, der in der Nähe seines Arbeitsplatzes lebt, beispielsweise dafür entscheiden, sich sein Mobilitätsbudget auszahlen zu lassen oder nur einen Teil davon für Zug- oder Bustickets auszugeben. Wenn sich die Situation des Mitarbeiters im Laufe seiner Anstellung ändert, zum Beispiel weil er in einen Vorort zieht oder ein Auto in Familiengröße benötigt, kann der Benefit genutzt werden, um seinen neuen Bedürfnissen gerecht zu werden.

  4. Ermöglichen Sie Ihren Mitarbeitern die Auswahl des eigenen Weihnachts-geschenks

    Anstatt jedem Mitarbeiter in der Weihnachtszeit das gleiche Geschenk zu machen und darauf zu hoffen, dass es auch jedem gefällt, gibt es auch eine andere Möglichkeit. So können Sie als Arbeitgeber einfach einen gewissen Betrag festlegen, aus dem der Mitarbeiter sein Geschenk aus einer Reihe von Optionen, welche Sie zur Verfügung stellen, selbst aussuchen kann.

Egal, für welche Möglichkeit der Personalisierung Sie sich entscheiden, denken Sie immer daran, dass diese gleichbedeutend mit Relevanz ist. Relevanz führt wiederum zu mehr Zufriedenheit und Engagement der Mitarbeiter.

Abonnieren Sie unseren Blog